Projektkurzinfo

Der römische Vicus “Wareswald”

 

Am Kreuzungspunkt der zu römischer Zeit überregional bedeutsamen Straßen zwischen Metz und Mainz einerseits und Straßburg und Trier andererseits entstand in der 1. Hälfte des 1. Jh. n. Chr. der Vicus im Wareswald, gelegen am Fuße des Schaumbergs zwischen den heutigen Gemeinden Marpingen, Oberthal und Tholey. Unter dem Begriff Vicus verbirgt sich ein Marktflecken, angelegt entlang der großen Verbindungsrouten im römischen Weltreich

Viele Menschen – Reisende und Händler – benutzten die zumeist vom Militär angelegten Wege. Die dadurch hervorgerufene Nachfrage nach Unterkunft und Verpflegung, aber auch nach Gütern des täglichen Bedarfs veranlasste Händler und Handwerker sich an der Stelle des heutigen Wareswaldes niederzulassen, um diese Nachfrage zu befriedigen.

Im Laufe des 1. Jhs. besonders aber im 2. Jh. setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung in der Siedlung ein, die schließlich zu einer stattlichen Größe von mehreren Hektar besiedelter Fläche heranwuchs. Durch großflächige geomagnetische Untersuchungen konnte die Ausdehnung der Siedlung in großen Teilen geklärt werden. Zur Klärung der Ausmaße und der Strukturen wurden auch Luftbildbefliegungen eingesetzt. Beispielsweise konnte im trockenen Sommer 2003 eine römische Straße, die zum Wareswald verläuft, als braunes Band im ansonsten noch grünen Acker beobachtet werden.

Bislang konnten zahlreiche Räume ergraben werden, darunter Gebäude in denen wohl Handwerk betrieben wurde, aber auch Handelstätigkeit kann nachgewiesen werden.

Grabungssituation am Pfeilergrab

Kopf eines Hundes von den Reliefs vom Pfeilergrab

Von besonderem Interesse sind luxuriös ausgestattete Räume mit großen Badewannen, Fußbodenheizungen und Wandmalerei. Im weiten Gelände konnte auch ein großer Tempel, wohl dem Kriegsgott Mars geweiht, angeschnitten werden. Zahlreiche weitere Befunde harren noch der Entdeckung. Der jüngste Erfolg des Grabungsteams ist der Nachweis eines zehn bis zwölf Meter hohen Pfeilergrabmals, das ringsum mit Reliefs von hoher Qualität verziert war.

Das Fundspektrum umfasst Keramikscherben, Gerätschaften, hunderte von Münzen, aber auch Dinge des gehobenen Lebensstandards, etwa Glasobjekte, Schmuckstücke und bronzene Gefäße.

Aus der Datierung des Fundmaterials geht die Gründung der Siedlung in der 1. Hälfte des 1. Jh. n. Chr. hervor. Insbesondere die Fundmünzen erlauben es, die Existenz der Siedlung bis ca. 400 n. Chr. annehmen zu können. Um diesen Zeitpunkt wird der Vicus verlassen. Der Platz ist seither nicht mehr besiedelt.

Dr. Klaus-Peter Henz (Projektleiter)

Bronzefigur des Gottes Mars